Name

Der Name Jiu-Jitsu ist ein japanischer Ausdruck in englischer Schreibweise. Daneben gibt es andere Schreibweisen wie "Ju Jitsu" und "Ju Jutsu". Aber auch "Goshinjitsu", "Taijitsu" und andere Begriffe fallen weitgehend unter den Sammelbegriff "Jiu-Jitsu". Nebenstehend befindet sich das japanische Schriftzeichen für Jiu-Jitsu bzw. Ju Jutsu. 

In Europa und Amerika hat sich der nicht ganz korrekte englische Ausdruck Jiu-Jitsu meist durchgesetzt. Jiu-Jitsu wird japanisch etwa "djschu djschitz" ausgesprochen. Wir halten uns jedoch bei nunmehr traditioneller englischer Schreibweise an die verdeutschte Aussprache "ju jitzu" (man sagt in Deutschland ja auch nicht "Djschudo" sondern "judo"). "Jiu" bedeutet "sanft, nachgiebig" und "Jitsu" heißt soviel wie "Kunst". Also wird als wörtliche Übersetzung "sanfte Kunst" gebraucht. Um das Prinzip der Praxis etwas mehr zu verdeutlichen, kann man ausführlicher sagen: Jiu-Jitsu ist "die Kunst, durch Nachgeben zu siegen". 

Ursprung

Seit die Menschen existieren gibt es Kämpfe und damit auch Kampfkünste. So ist auch hier der Ursprung der Kampfkunst Jiu-Jitsu zu suchen.

Es gibt viele Legenden über den Ursprungsort. Im wesentlichen wird darüber gestritten, ob das Jiu-Jitsu vom asiatischen Festland (hauptsächlich China) herübergetragen wurde oder ob es in Japan selbst entstand. Allgemein übereinstimmend ist wohl nur, daß diese Art des Kämpfens zu nicht klar bestimmbarer Zeit in Japan auftauchte.

Entwicklung allgemein

Im 18. Jahrhundert n. Chr. erhielten verschiedene Stile, die insgesamt Treten, Schlagen, Kniestoßen, Werfen, Hebeln, den Gebrauch von einigen kleinen Waffen sowie Halte- und Fesselgriffe umfassten und zunächst nur als Unterstützungstechniken zu den großen Waffen (Schwert, Lanze usw.) dienten, den auf Naturbeobachtungen basierenden Sammelnamen "Jiu-Jitsu". Jiu-Jitsu ist damit eine der wenigen älteren Kampfkünste, die nicht nach der Waffe oder dem Körperteil benannt ist, mit dem/der sie arbeitet, sondern nach dem Grundprinzip.

Es war Bestandteil der Ausbildung japanischer Ritter (bushi, samurai) und wurde dort zu höchster Blüte gebracht. Einige dieser Stile hießen koshi-no-mawari, hobaku, taijutsu, wajutsu, torite, kenpo, hakudo, ghubako, yawara, kogusoku, die aber kaum bis in die heutige Zeit überlebt haben.

Zwischenzeitlich, im 19. Jahrhundert n. Chr., waren die Kampfkünste in Japan verpönt, ja sogar teilweise verboten und gerieten deshalb fast in Vergessen-heit. Gegen Ende des 19. Jahrhundert besann man sich jedoch wieder auf die traditionellen Güter der eigenen Kultur.

Und so kam es, dass die Kampfkünste eine mittlerweile weltweite Ausbreitung erfahren haben, wobei die Japaner gegenüber den übrigen Asiaten eine Vorreiterrolle spielten, da sie ihr Land dem Westen früher öffneten.

Gleichzeitig mit der Wiederentdeckung und der Veränderung der Zielsetzung entstand die bedeutendste Entwicklung aus dem Jiu-Jitsu, die jetzt eigenständige Sportart "Judo". Andere Kampfarten, wie zum Beispiel Aikido, wurden vom Jiu-Jitsu mehr oder weniger stark beeinflusst.

Entwicklung in Deutschland

Um 1900 kam das Jiu-Jitsu (Judo war noch ein Jiu-Jitsu-Stil) nach Amerika und Europa und erreichte so auch Deutschland. Hier wurde Erich Rahn der bedeutendste Schüler japanischer Lehrmeister, besonders von Katsuguma Higashi, einem Schüler Jigoro Kanos.

Rahn war der wichtigste Wegbereiter für die Popularität des Jiu-Jitsu in Deutschland und gilt als "Vater des deutschen Jiu-Jitsu".

Manche spätere Jiu-Jitsu- und Judogröße hat bei ihm bzw. von ihm gelernt, so z.B. Alfred Rhode, 8. Dan Judo, und Hans-Gert Niederstein, 10. Dan Jiu-Jitsu.

Rahn mischte die japanischen Techniken mit deutschen Ringergriffen und gründete und leitete die noch heute existierende erste Jiu-Jitsu-Schule Deutschlands (1906).

Im Laufe der Zeit verlor das deutsche Jiu-Jitsu, anders als die späteren anderen Budodisziplinen, mehr und mehr den Kontakt zu Japan. Es gab zwar Verbandsgründungen und Vereinheitlichungsbestrebungen, die aber nicht ausdauernd genug waren. Kennzeichnend war und ist auch heute noch Zersplitterung und Uneinigkeit. Dazu kam 1968 der wohl mehr ideologische Gegensatz zu einer stark an Judo-, Karate- und Aikidoelementen angelehnten, von alten Traditionen losgelösten "Neuschöpfung" durch den Deutschen Judo-Bund mit dem Namen "Ju Jutsu". 

Wesen

Im 17./18. Jahrhundert bestanden die elementaren Techniken des Jiu-Jitsu aus Schlagen, Treten, Werfen, Umklammern, Hebeln und Würfen sowie Kenntnissen in der Wiederbelebung. Voraussetzung zum Erlernen der Griffe war körperliche Fitneß und zum Teil Ernährungsvorschriften in Form von Diäten.

Bis jetzt hat sich daran wesentlich nichts geändert. Heute wäre die Formulierung folgendermaßen: Jiu-Jitsu ist ein System von Abwehren gegen bewaffnete (z.B. Messer-, Stock-, Stuhl- und Pistolenangriffe) und unbewaffnete Angriffe (z.B. Schlagen, Treten, Würgen, Haarzug, Schwitzkasten und Umklammerungen). Die Elemente der Abwehren bestehen aus Würfen, Hebeln, Tritten und Schlägen.

Auch heute ist die körperliche Fitness Voraussetzung zum Erlernen der Selbstverteidigung. Im fortgeschrittenen Stadium sind Kenntnisse in Erster Hilfe und Kuatsu (= jap. Unfallhilfe und Wiederbelebung) erforderlich. Nur die Ernährungsvorschriften entfallen im Breitensport gänzlich. Das Jiu-Jitsu wird nach folgendem auch für die übrigen asiatischen Kampfkünste gültigen Prinzip praktiziert: Eine angreifende Kraft wird durch Nachgeben (d.h. Ausweichen und Ablenken/Abblocken) dazu gezwungen, ihr Standgleichgewicht zu verlagern, das heißt ihre Stärke zu verteilen. Durch diese Verminderung der angreifenden Stärke wird es dem Verteidiger durch seine Techniken möglich, den Angreifer völlig unter seine Kontrolle zu bringen.

Ziele

Das Jiu-Jitsu hat heute ein sportliches und ein geistiges Ziel.

Unter dem sportlichen Ziel versteht man, dass es weitgehend kein Turniersport (einige Jiu-Jitsu/Ju-Jutsu-Verbände haben allerdings Wettkämpfe eingeführt) ist, also ohne Wettkämpfe mit Meisterschaften, sondern als reine Selbstverteidigung ausgerichtet wird. In früheren Jahrhunderten genügte es, die technische Meisterschaft zu erreichen, um Sieger im (oft tödlichen) Kampf gegen einen Gegner zu werden.

Im "modernen" 20. Jahrhundert gibt es solche Zweikämpfe in der Regel nicht mehr. Also fiel das Ziel, einen Gegner technisch zu besiegen, zugunsten eines pädagogisch-geistigen Zieles fort. Jetzt ist das technische Können nur ein Mittel für den Sieg über die eigenen Leidenschaften (Sieg über sich selbst) mit der Erlangung geistiger Reife.