Chronik der Abteilung Jiu-Jitsu 1970 bis heute:

von Christoph Maßner 1990, bearb. von Karin Hildisch 1995 und Wolfgang Mauritz 2005 sowie Frank Nilges 2009ff

 

  1970 – 1975 Gründungsphase

Seit dem Jahr 1970 wurde ein relativ regelmäßiges Jiu-Jitsu-Training im Rahmen der Übungsstunden der Abteilung Karate im Polizeisportverein Mönchengladbach (PSV) von meist 3 bis 5 Karatesportlern unter der Leitung von Klaus Poestges praktiziert. Ab Mai 1971 bekamen diese Sportler eine separate Trainingsstunde im damaligen Judoraum des Polizeipräsidiums unter der Obhut der Karateabteilung. Innerhalb dieser Stunde trainierten zunächst alle Grade gemeinsam, später wurde die Gruppe in Anfänger und Fortgeschrittene aufgeteilt.

Mit den ersten vier festen Mitgliedern (Klaus Poestges, Wolfgang Mauritz, Matthias Bennetreu, Helmut Link), die diese erste separate Gruppe bildeten, war der Grundstein für die spätere Abteilung Jiu-Jitsu gelegt. Sehr schnell stieg die Zahl auf 15 feste Mitglieder an. Bereits 1972 fanden an zwei Wochentagen – montags und donnerstags - Trainingsstunden statt, innerhalb der die Sportler in Anfänger und Fortgeschrittenen-Gruppen aufgeteilt waren. Bis Anfang 1975 erhöhte sich die Mitgliederzahl auf 40 Personen.



         1975 – 1980 Selbständigkeitsphase

Bis Ende 1974 führte Klaus Poestges die Gruppe, dann ging er andere sportliche Wege und Wolfgang Mauritz, der bereits seit 1971 als Trainer tätig war, übernahm die Leitung. Ab Januar 1975 traten die Jiu-Jitsu-Sportler als Unterabteilung Karate II  in der Abteilung Karate auf und hatten sich finanziell und personell von den Karatesportlern gelöst, so daß die Abteilung bereits eine gewisse Selbständigkeit erreicht hatte. Seit 1975 begann eine Aufgliederung in kleinere, leistungsfähigere Gruppen (Anfänger – Fortgeschrittene, Jugendliche – Erwachsene). Bis 1980 stieg die Mitgliederzahl auf 80 Personen (zwischenzeitlich auch annähernd 100) und umfaßte nun eine Altersspanne von 10 bis 40 Jahre, wobei etwa 2/3 der Mitglieder Jugendliche waren.

Nach längeren Bemühungen wurde am 10.08.1980 endlich durch die Jiu-Jitsu-Mitglieder die Gründung einer selbständigen „Abteilung Jiu-Jitsu“ im PSV mit Wolfgang Mauritz als Abteilungsleiter erreicht, die am 07.10.1980 durch den Hauptausschuß des PSV ihre Bestätigung fand.

 

1980 – 1990 Entwicklungsphase

1982 bekam die Abteilung mit der Sporthalle in Rheindahlen (Geusenstr.) eine Außenstelle, die jedoch aus mehreren Gründen nach ein bis zwei Jahren wieder aufgegeben wurde. 

Im selben Jahr konnte sich die Abteilung offiziell zu ihrem Wunschverband (Deutscher Jiu-Jitsu-Bund e.V.) bekennen, der nun als Mitglied im Dachver-band für Budotechniken NRW e.V. auch Mitglied im Landessportbund war.

1983 hatte die Abteilung Jiu-Jitsu Gelegenheit, ein halbes Jahr Kendo unter Monika Lieske (2. Dan Kendo) zu trainieren. Hierfür wurden eigens die benötigten Shinai angeschafft.

Die Kindergruppe im Alter von 5 bis 10 Jahren existiert seit November 1985. Die Idee, ein solches Training einzurichten, gab es zwar schon länger. Aber erst, als die Nachfrage nach einer Trainingsstunde für diese Altersgruppe immer größer wurde und die Kinder von Wolfgang Mauritz in dieses Alter kamen, ist diese auch realisiert worden. Natürlich mußte für diese Gruppe ein besonderer Trainingsplan ausgearbeitet werden, denn ein „normales“ Jiu-Jitsu-Training kann mit Kindern nicht durchgeführt werden. Im Mittelpunkt des Trainings stehen daher auch Bewegungsspiele zur Förderung der Kondition und Körperbeherrschung. Die Leitung dieses Trainings wurde von Wolfgang Mauritz und Frank Hoss, zwischenzeitlich auch von Marc Eßers, übernommen.

Im August 1987 wurde eine separate Trainingsgruppe für „Senioren“ im Alter zwischen 30 und 50 Jahren eingerichtet. Zunächst wurde auch in dieser Gruppe ein übliches Jiu-Jitsu-Training durchgeführt, was aber nicht den richtigen Anklang fand und dazu führte, daß sich die Gruppe immer weiter auflöste und das Training schließlich für drei Monate ausgesetzt werden mußte. Im August 1989 wurde sie dann mit einem anderen Konzept wieder aufgebaut. Teilnehmen konnten nun Erwachsene ab ca. 18 Jahren. Seitdem bestand das Training aus Gymnastik (größter Anteil), Sportmassage und Selbstverteidigung. Das Training leitete zunächst Wolfgang Mauritz, zwischenzeitlich auch Jochen Schröders. Danach wurde die Gruppe von Frank Hoss trainiert. Aus dieser Gruppe entwickelte sich allmählich eine zusätzliche reine Jiu-Jitsu-Gruppe für die Altersspanne 25 – 50 Jahren, die schließlich auch wieder in Anfänger und Fortgeschrittene geteilt werden mußte.

Von Oktober bis Dezember 1987 konnte die Abteilung  Jhonny Bernaschewice (6. Dan Chi-Ryu) aus Belgien dafür gewinnen, einmal wöchentlich zusätzlich Chi-Ryu (eine andere Art von Jiu-Jitsu) zu lehren. 

1987 führte die Abteilung Jiu-Jitsu erstmals den Kurs „Selbstverteidigung für Frauen“ ein, der überwiegend an Nichtmitglieder gerichtet war und zur Verstärkung des geringen Frauenanteils in der Abteilung gedacht war. Wolfgang Mauritz und weitere Abteilungsmitglieder reisten eigens deshalb zu einer Ausbildung nach Wuppertal, in der eine gezielte, auf Polizeier-kenntnissen basierende Moderatorenausbildung durch die Polizeisportvereine Nordrhein-Westfalens stattfand. Dieser Kurs ist seitdem (ca. 15 Jahre lang) mehrfach mit großer Resonanz in der Abteilung Jiu-Jitsu durchgeführt worden. Allerdings hat er unterm Strich den Frauenteil in der Abteilung dauerhaft nicht erhöht.

Eine separate Trainingsgruppe für ausländische Mitbürger wurde 1988 unter der Leitung von Mustafa Tunc (1. Dan Jiu-Jitsu) eingerichtet. An diesem Training haben etwa 10 Sportler regelmäßig teilgenommen. Allerdings mußte diese Gruppe wegen Weggangs des Trainers etwa 1990 wieder aufgelöst werden.

Ab August 1989 initiierte Wolfgang Mauritz ein zusätzliches Kobudo-Training, das bis April 1990 zunächst von Peter Brockers, 6. Dan Kobudo, und später von Markus Brockers, 2. Dan Kobudo, geleitet wurde. Nachdem dieser sein Engagement in der Abteilung beendete, mußte das Training eine Zeit lang ausgesetzt werden. In dieser Zeit lernte unser Abteilungsmitglied Dietmar Krings, der das Kobudo-Training bis heute leitet, aus eigener Initiative weiter bei Peter Brockers, um das Training in unserer Abteilung weiterführen zu können.

In den 70er und 80er Jahren veranstaltete die Abteilung eine Vielzahl von Lehrgängen, zu denen stets interessante und teilweise recht hochkarätige Lehrer eingeladen wurden. Themen waren Jiu-Jitsu, Judo, Karate, Yoga, Iaido, Bojutsu, Tonfa, Wu-Shu u.a.

Einige Jahre lang organisierte die Abteilung Geländelehrgänge (Orientierungs- und Durchschlageübungen), die auch von anderen Vereinen gerne besucht wurden.

In der Zeit zwischen 1988 und 1990 hatte sich die Mitgliederzahl auf etwa 170 eingependelt.
 


1990 – 2002 Umwälzungsphase

Dies war eine Phase mit einigen negativen Einflüssen, die der Abteilung zwar zugesetzt, sie jedoch nie wirklich ernsthaft gefährdet haben.

Auf Grund familiärer Probleme konnte sich Wolfgang Mauritz 1991 nicht wie gewohnt um die Abteilung kümmern. Dies nutzten einige Abteilungsmitglieder, um entgegen des Budogeistes eine Art Umsturz zu initiieren, damit persönliche Wünsche in den Vordergrund gestellt werden konnten. Dies konnte mit vereinten Kräften verhindert werden, hat jedoch Schaden angerichtet.

Der nächste Schlag ereilte die Abteilung Ende 1995. Die Polizeibehörde teilte dem PSV mit, daß innerhalb von zwei Monaten der seit nunmehr ca. 25 Jahren genutzte Judoraum geräumt werden mußte. Die neue Hundertschaft der Polizei sollte dort einziehen. Nun begann ein fieberhaftes Suchen nach Ausweichmöglichkeiten. Schließlich blieb als einzige kurzfristige Möglichkeit übrig, zu den anderen Abteilungen des PSV in die Sporthalle des Präsidiums einzuziehen. Alle anderen Abteilungen mußten zusammenrücken. Aber auch die Abteilung Jiu-Jitsu mußte von fünf Trainingstagen auf zwei reduzieren. Dies war ein enormer Einschnitt. Damit alle Gruppen trainieren konnten, mußte die Abteilung außerhalb in anderen Kampfsportschulen Trainings-stunden anmieten. So begann für die Fortgeschrittenen eine Art Nomaden-leben (eine Zeit lang auf der Sophienstr., dann Waldnieler Str. und schließlich auf der Karstr.) Dazu kam noch, daß ein Trainer die zunächst etwas verworrene Situation unehrenhaft nutzte und uns zwei Trainingsgruppen wegnahm, um sich damit selbständig zu machen.

Durch das Ganze verlor die Abteilung etwa 50 Mitglieder.

Trotzdem erholte sich die Abteilung nach einem halben Jahr wieder und gedieh besser denn je. Die Mitgliederzahl erreichte zwischenzeitlich annähernd die 300.

Doch die negativen Einflüsse waren noch nicht beendet. 2001 versuchte eine kleine Gruppe von Jugendlichen (mit massiver Unterstützung ihrer Eltern) wieder so etwas wie einen Umsturz, um Wünsche durchzusetzen  Eine Abteilungsmitgliederversammlung sprach der Abteilungsführung das überwältigende Vertrauen aus. Negatives wurde zwar abgewehrt, ber es verursachte natürlich wieder einen Schaden. Die Abteilung erholte sich auch davon wieder, erreichte bis jetzt jedoch noch nicht wieder die alten Zahlen.


 
2002 – heute sportliche Neuorientierung

In der Zwischenzeit (2002) konnte die Abteilung eine neue Trainingsstätte (Fliethstr.) anmieten und umbauen, so daß die Abteilung wieder vereint an einem Ort trainiert. Auch dieser Umzug kostete Mitglieder, da einige ihn nicht mitmachen wollten (schließlich wurden dadurch die Beiträge teurer).

Nachdem jedoch alle Angriffe abgewehrt worden sind und sich alles auf die Ausgestaltung der neuen Trainingsstätte konzentrierte, kam endlich wieder Ruhe in den Trainingsbetrieb. Die wichtigsten Stützen der Abteilung waren zu diesem Zeitpunkt Wolfgang Mauritz, Christoph Maßner, Frank Nilges, Sarah Rebig und Dietmar Krings. Das soziale (gesellige) Leben blühte wieder auf.

Auf Grund gesundheitlicher Probleme gab Wolfgang Mauritz die Abteilungsleitung 2004 an Christoph Maßner ab, übernahm sie 2005 jedoch wieder. 

Schon seit einiger Zeit herrschte Unzufriedenheit unsererseits mit unserem Fachsportverband, die im Mai 2005 einen Höhepunkt erreichte. Dies veranlaßte die Abteilungsfachsportleitung zu einem Überdenken der Situation und hatte zur Folge, dass unsere Abteilung ab da die Aktivitäten auf Landesebene nicht mehr ausübte.

Nach einigen Irritationen über den Einfluß aller Trainer auf die Fachsportgestaltung, wurde in einer außerordentlichen Versammlung im Früjahr 2008 mit den Stimmen von vielen Mitgliedern (bei den Kindern deren gesetzliche Vertreter) die Satzung geändert. Der Fachsportleiter wird nun durch ein Wahlverfahren innerhalb des Fachsportgremiums für 2 Jahre bestimmt. Da nicht alle mit dieser Regelung zufrieden waren, kam es in der Führungsebene zu Positionsänderungen. Nunmehr wird die Abteilung insbesonders durch Christoph Maßner, Sarah Rebig, Frank Nilges, Silke Lenzen und Dietmar Krings trainiert und geführt. Insgesamt wurde die Mitgliederzahl gehalten (was für alle Abteilungen des PSV zur Zeit schwierig ist).

Im Jahr 2009 wurde die  neue Untergruppe "Modern-Arnis" gewonnen. Somit sind nunmehr an 5 Tagen Kampfsporttrainings möglich. Daneben wurde der angestrebte Verbandswechsel zur UMAA mit Sitz in Mönchengladbach zum 01.07.2009 vollzogen. Auch die Zugehörigkeit im Landessportbund und in der Landessporthilfe mit der entsprechenden Versicherung ist gesichert. Die Mitgliederzahlen stiegen zum Vorjahr erheblich an.