Zelten der Mon`s                                                                                Juni 2010 

Was wir letztes Jahr an Wetterpech mit sintflutartigen Regenfällen und Schlammrutschen als Dauerbrenner hatten, wurde dieses Jahr mehr als wettgemacht mit dem pünktlich zum Event gebuchten Dauersonnenschein und Wärmerekorden. Das beste Wetter also, um Zelten zu fahren. Dazu sind wir wieder einmal im uns inzwischen vertrauten Wilhelm-Kliewer Heim eingekehrt, dessen Umgebung immer reichlich Möglichkeiten für Gelände- und Sportspiele aller Art liefert.

Die Zelte waren mehr oder weniger schnell - je nachdem, wer hier fachmännisch Hand anlegte- aufgebaut und ordentlich um eine freie Fläche, die im späteren Verlauf zum Frisbee spielen, Leute (mit Wasserpistolen) abschießen und lustigem Leute übereinander Stapeln genutzt wurde, verteilt.

Als erstes wurde von der Mehrheit der Teilnehmer -dem Zeitgeist entsprechend- der Fußballplatz aufgesucht. Schnell waren die wichtigsten Positionen wie Schweinsteiger, Podolski, Müller, Lahm und Co. Vergeben, und es wurde das Tor bestürmt. Es dauerte nicht lange, bis dieses muntere Treiben zum Zusammenschluss mit einer weiteren Reisegruppe, bestehend aus einer Gruppe Jugendlicher aus Russland, zu einer Mixed Team Bildung mit multikulturellem Aspekt wurde. Gut nur, dass Russland für die diesjährige WM nicht qualifiziert war, denn ein Teil unseres überwiegend deutschen Teams hatte der erfolgreichen Fusion einiger Jungs von uns mit den Russen nicht viel entgegen zu setzten. Was machten die Mädels unterdessen?, mag man sich fragen…Neben dem hoch frequentierten Gebrauch der sehr im Mittelpunkt stehenden Wasserpistole - „Ha, warte, ich spritz Dich nass!“ - „Oh ja bitte!!! Ich brauch ne Abkühlung.“ - stand Baseball hoch im Kurs. Merle und Clara übten ihren Schwung und schafften es fast, die Fußball spielenden Jungs auch noch abzuschießen. So war für reichlich kurzweilige Beschäftigung gesorgt. 

Am Nachmittag zogen wir dann los, die Gegend zu erkunden, was als Aufforderung so viel bedeutete wie: „Bestimmt ein Teammitglied, dass als Geisel der anderen Mannschaft zur Verfügung steht! Dieses Teammitglied wird im Wald an einen Baum gefesselt und von Gruppe A bewacht. Gruppe B stürmt den Abhang und versucht, ihre Geisel zu befreien. Wenn die Geisel beim Spielleiter auftaucht, ist das Spiel beendet.“ Ich glaube, jeder kann sich in etwa denken, wie mit einer Horde kampfsporterfahrener, übermotivierter, hitzeerregter Jugendlicher dieses Spiel aussieht J. So war es dann auch…Das Unterholz hat dabei allerdings mehr Schaden davongetragen als die Teilnehmer. Danach ging es weiter zum Spielplatz, der Seilbahn und dem Beachvolleyballfeld, wo alle Volleyballspieler bis auf den hartgesottenen Alex es geschafft haben, sich die Fußsohlen im warmen Sand zu verbrennen. 

Als es dann endlich Abendessen gab, hatten auch alle ordentlich Hunger. Neue Energie aufnehmen, hieß hier die Devise. Dabei war die bisherige Energie noch lange nicht verbraucht: „Schnell auf zum nächsten Spielplatz! Da geht noch was!“ Wer von der Toberei im Wald noch nicht seine nötige Schweiß-Schmutz-Schicht hatte, bekam sie spätestens beim entfachten kleinen Sandsturm auf Spielplatz Nr.2. Auch ich dürfte dank Johannes mein Erinnerungsvermögen an den Geschmack von Sand auffrischen und habe das Gefühl, immer noch welchen in meinen Ohren zu besitzen. Man sollte meinen, der Bewegungsdrang wäre nach so viel Hin- und Her und Rauf und Runter erschöpft gewesen, aber keine Spur von Müdigkeit. Trotzdem folgte nun eine etwas ruhigere Gruppenphase, in der wir so einiges darüber gelernt haben, wer ein Gehirn hat und wer nicht: „Alle mit einem Gehirn bitte aufstehen!“ - einer bleibt sitzen…Naja, immerhin wurden die Mörder diesmal schnell entlarvt, auch wenn Patrick versuchte, mit einer wahren Mordserie sich aller ungeliebten Zeugen zu entledigen. Nach der Spielesession war wieder einmal Zeit für … - Fußball. Was auch sonst? 

Nur langsam senkte sich die Dunkelheit über den Platz und um kurz nach halb Zwölf zogen wir los, um ohne Taschenlampen und nur mit unseren Augen und einem fast vollen Mond den Wald zu erkunden - denn Nachts sind alle Bäume grau und der Wald dunkel. Bis auf wenige Glühwürmchen und das gespenstische Mondlicht war es wirklich im Nu stockduster. Da durfte natürlich auch die ein oder andere Gespenstergeschichte nicht fehlen, von denen es selbst in einem überschaubaren Dorf wie Hardt so einige gibt. Dennis blieb aber -soweit bekannt- der Einzige, der den Geist der toten Frau aus dem See wirklich gesehen hat - wirklich! Die anderen sahen dafür Dirk ? - ein Baum? - ich glaub, da steht jemand im Dickicht! - ne, das ist ein Baum! - „BUHHH!“ - „AHHHHHHHHHHHHHH!“ Aber erschreckt hatte sich selbstverständlich niemand…obwohl die restliche Nachtwanderung über die Angst vor einer kurz vorher abgefahrenen Silke, die plötzlich aus dem Gebüsch springen könnte, bei den meisten Teilnehmern vorherrschte. Ein Glück, dass der große Bernd die Gruppe gegenüber Werwolfattacken von hinten abschirmte. 

Trotz der ganzen Aufregung kam der Schlaf recht schnell für die meisten Teilnehmer - bis auf eine Gruppe Hartgesottener, die um 3 Uhr dann zwangsverzeltet wurden. Wie so oft, war die Sonne schon viel zu früh wieder aufgegangen und der Wald erwacht - ebenso wie die Teilnehmer. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde noch das ein oder andere (Fußball-)Spiel veranstaltet und dann das Lager abgebrochen. Um 11 Uhr konnten alle gute gelaunt, wenn auch wahlweise etwas müde oder überdreht, abgeholt werden. „Beim nächsten Mal fahren wir aber mal länger weg als nur eine Nacht!“ - Mal schauen, was sich da machen lässt



  

Sarah Rebig